Die Kraft aus der Ruhe „Deutsches Requiem“ in der Marktkirche

Es müssen nicht Jahr für Jahr ausschließlich die Passionen Johann Sebastian Bachs sein, um musikalisch und inhaltlich auf Karfreitag und Ostern hinzuführen. Natürlich, da geht es unmittelbar um die Leidensgeschichte Christi. Johannes Brahms verfolgte mitseinem „Deutschen Requiem“ nicht das Ziel, ebenfalls diese Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Er schöpfte aus unterschiedlichen Stellen der Bibel und hat mit seinem zentralengeistlichen Werk eine Komposition geschaffen, die, neben anderen Themen, Tod und Erlösung ins Zentrum stellt. Und auch wenn es in den Texten nicht explizit um Christus geht, so sind die Bezüge zur Passionsgeschichtegegeben, und deswegen passt das „Deutsche Requiem“ auch gut in diese Zeit. Jörg Straube führte es mit dem Bachchor, dem Bachorchester sowie den Solisten Siri Karoline Thornhill, Sopran, und Henryk Böhm, Bariton, in der Marktkirche auf. Schwebend leicht gesungen Die Behandlung des Orchesters lässt einerseits sofort an Brahms’sinfonische oder konzertante Werke denken; andererseits verwebter Orchester und Singstimmen so eng, dass von einer Begleitfunktion der Instrumentalisten kaum mehr die Rede sein kann. Die farbige Orchestrierung kam durch wunderschönmusizierte Soli gut zur Geltung, und auch die dynamische Differenzierung erfordernden Passagengelangen überzeugend – etwa die spannungsreichen, intensiven Steigerungen in „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“. Ebenfalls zu ausgesprochen differenziertem Agieren führte Straube den Bachchor, der nicht nur als auftrumpfendes, massives Kollektiv zu beeindrucken wusste, sondern genauso in den schwebend leicht gesungenen Ecksätzen „Selig sind, die da Leid tragen“ und „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“ die verinnerlichten Seiten des Stückes betonte. Siri Karoline Thornhill und Henryk Böhm erfüllten ihre Partien mit viel Klarheit und Textverständlichkeit. Es braucht keine große, opernhafte Geste, um diesem Werk gerecht zu werden, hier sollte wirklich, wie an diesem Abend gezeigt, die Kraft aus der Ruhe kommen. Applaus gab es am Ende nicht, das ist eine feste Tradition bei den Konzerten vor Ostern; im Anschluss an die stimmungsstarke, dichte Aufführung erklang die Friedensglocke. Und, so schön Applaus für die Mitwirkenden sicher ist, es gibt eben Werke, nach denen Stille und Konzentration einfach guttun.

Christian Schütte, 31.03.2018, Kritik HAZ